Rough Times # 4 – Sonntagsrunde

Golf in HH 2_17 Anschnitt querSonntagmorgen. Petrus streut großzügig Sonnenstrahlen über frische Brötchen und Frühstücksei. Sofort wächst Golfer’s Lust auf’s schönste Spiel der Welt!

Gegen elf Uhr treffe ich – übrigens zusammen mit etwa hundert anderen Sonntagsgolfern – am Clubhaus ein. Sofort beginnt geschäftiges Rappeln und Klappern an den Kofferräumen. Die erste ernstzunehmende Hürde für den mobilen Golfer ist ja zumeist schon das Zusammenbasteln des Trolleys, der bis dahin wochenlang fein säuberlich demontiert und bedeutungsschwer im Kofferraum durch die Gegend gefahren und nur hin und wieder von Getränkekisten verdrängt wurde. Man weiß ja nie? Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit zu einer ganz spontanen Runde…

Na ja, zumeist grätscht uns der Alltag zwischen derlei hehre Vorsätze, aber heute: heute kommt das ganze Equipment endlich mal wieder zum Einsatz! Heute zerren wir alles ans Licht, was wir an Golfausrüstung zu bieten haben: von der alten Ballangel (die wir selbstverständlich NIEMALS selbst benötigen und nur aus purer Hilfsbereitschaft für unsere Flightpartner mitschleppen), über die vergilbte Cap vom Pebble Beach Golf Club (den wir selbstverständlich NIEMALS selbst gespielt haben) bis hin zum brandneuen Riesendriver (den wir selbstverständlich NIEMALS wirklich treffen). Wir sind alle kleine Jordans oder Rorys – zumindest klamottentechnisch. Auf Merchandising und Markenware ist eben Verlass, und auf dem Parkplatz liegen wir alle noch auf Par.

Die Golfrunden selbst verlaufen dann in unseren Kreisen zum Glück meist ohne größere Zuschauermengen – von den Flightpartnern mal abgesehen, die man sich am besten wahlweise nach dem Grad ihrer Leidensfähigkeit, Geduld oder Verschwiegenheit auswählen sollte:

What happens on the course, stays on the course!

Bestenfalls gerät man an Exemplare, die mit sich selbst genug hadern und so hinterher im Clubhaus gern bestätigen werden, dass man ja “sooo viel besser als sie” gespielt habe. Und wenngleich das auch wirklich keine große Leistung war: man kann es ohne zu lügen unkommentiert so stehen lassen. So werden wahre Helden geboren.

Nach jeder noch so bescheidenen Runde schließt sich am Hole 19 der Kreis und wir alle sind wieder Profis: im Angeben oder im Verschweigen, in Regelkunde, im kluge-Ratschläge-Verteilen und im auf-die-Pauke-Hauen.

Seltener die Spezies der Sirs und Gentlemen, die bei der Wahrheit bleiben – aber wer will die schon hören? Es geht schließlich um Golf!

 

 

abgedruckt in: GOLF IN HAMBURG Magazin des Golfverbands Hamburg e.V., Heft 2/2017 

© Karin Buchholz 2016