Rough Times #6 : Porsche European Open 2017

Willkommen zu den norddeutschen Wasserspielen à la Porsche European Open 2017.
Ein Juliwochenende im tiefsten April.

IMG_4263Bereits beim Check-in im Mediencenter bekommt der morgendliche Tatendrang gleich einen Dämpfer: Starkregen donnert gegen die Zeltplane und lässt mich grübeln, ob ich mir wirklich den richtigen Tag für meine erste Exkursion nach Winsen ausgesucht habe. Aber nun bin ich ja mal da – also dann mal: Schirm auf und los und mit spontanem Glücksgefühl die trockenen Momente nutzen!

Allerdings machen matschige Wege, rutschige Tribünenaufgänge und fotogene Pfützen auf Hartschalensitzen auch ohne aktive Bewässerung von oben nicht wirklich Lust auf draußen und Golfgucken. Wir Nordlichter sind ja Regen und Sturmgebruus wahrlich gewohnt, aber an diesem Freitag ist’s dann doch gelinde gesagt „etwas nass“. Übermütig weit draußen auf dem Platz unterwegs überfallen immer wieder heftige Regenschauer meine Brillengläser, was das Verfolgen des Spielgeschehens auf Dauer nicht wirklich einfacher macht. Doch: welches Spielgeschehen? Immer wieder verkriechen sich Spieler und Besucher unter ihre Schirme, Caddies versuchen ebenso eifrig wie vergeblich, ihren Bauchladen trocken zu halten, die Fairways und Grüns verschlucken sich regelmäßig am stehenden Wasser. Irgendwann treffen sich dann selbst die abgebrühtesten Pellerinenträger und Abwetter-Experten dicht gedrängt unter Schirmen, in Baumgruppen oder Hospitality-Zelten und lauschen den herniederbrechenden Regenmassen. Alles in einer Mischung von gottergebener Andacht und Genervtheit, von Enttäuschung und Igitt-alles-ist-nass! Schade, da hat man die Profis mal hautnah vor der Nasenspitze – was hier im Norden ja bedauerlicherweise selten der Fall ist –, und dann das. Hat man Petrus etwa beim Verteilen von Freitickets vergessen?!

Schade aber vor allem für die Ausrichter und die vielen freiwilligen Helfer, die pitschnass und unerschrocken weiter Dienst tun. Hut ab! Ich habe selten so viel Galgenhumor – mit der Betonung auf Humor! – erlebt. Aber gemeinsames Lachen hebt bekanntlich die Stimmung, lenkt von Wasser im Kragen und Gewittergrollen ab, und warm hält’s obendrein – innen drin.

Schließlich die Erlösung für die eigentlichen Protagonisten des Geschehens: Das Spiel wird um 13 Uhr abgebrochen. Nasse Buggys kurven Spieler, Caddies und ihre durchtränkte Habe ins Clubhaus und zum Klamottenwechsel. Die Freiwilligen dürfen nun auch ihre Posten verlassen und sich erst einmal trockenlegen, während sich zeitgleich alle übrigen nassen Menschen der Anlage aufs Cateringbuffet stürzen: in dicht gedrängten, patschnassen Schlangen ergattert man Paella oder Nudeln, Prosecco oder Bier, und die ersten Rufe nach Punsch und Lebkuchen werden laut. Sommerspiele – welcher Sommer?!

Vier lange Stunden soll die Zwangspause dauern. Vier Stunden, in denen sich die Pros zunächst in trockene Beinkleider werfen, die Schwimmflossen bügeln oder gegenseitig Schnecken aus den Ohren ziehen können – was man halt so tut, wenn man nicht spielen kann. Zu lange auf jeden Fall für so manchen Besucher, der nun lieber in halsbrecherischer Schlingerfahrt sein Auto auf verschlammten Pfaden vom Gelände bugsiert.

Frisch geduscht und langsam wieder aufgewärmt, mit dampfendem Kaffee in der Hand komme ich genau rechtzeitig zur Wiederaufnahme des Spiels vor dem Fernseher an. Freier Drop und Besserlegen aufs Sofa – so geht Golf (auch).

Aprilfrisch-abwechslungsreich sollte es das ganze Turnier über bleiben, und am Sonntag durfte man sich zwischen erneuter Spielunterbrechung und Nervenkitzel-Play-off dann noch mal gehörig durchpusten lassen.

Fazit: Vom Spiel insgesamt zu wenig gesehen, dafür ein strahlendes Lächeln vom Iren Paul Dunne abgestaubt und mich von Alexander Lévys (fast) unkaputtbarer Fröhlichkeit anstecken lassen; Albatross von Patrick Reed und Hole-in-One von Marcel Siem (beide am Samstag) leider verpasst, aber unbedingt ganz bald wieder!

Und vielleicht lädt dann endlich mal jemand Petrus und seine Mannschaft ein. Ich spendiere auch die Drinks, versprochen.

 

(c) Fotos und Text | Karin Buchholz 2017

 

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