Rough Times #5 : Play with the Irish

Golf in HH 3_2017 AnschnittGolf in HH 3_2017 Titel

 

 

 

 

 

Through hedge and heath
and underneath
in steepest, deepest,
toughest, roughest,
lies and lay-ups
on we go!
heidi-heidi-heidi-ho!

 

Hand auf’s Herz: Haben Sie schon mal mit einem waschechten Iren Golf gespielt? Ich meine, so ein richtig irischer Ire? Einer, der dort das Golfspielen mit der Muttermilch aufgesogen, in sämtlichen Genen verinnerlicht und schon in allen Wetter- und Dünenlagen gespielt hat? Es ist zermürbend!

Meiner heißt Con und ich treffe ihn in Südafrika. Herrliche Golfanlage, traumhafte Aussichten – zumindest landschaftlich. Dass es damit im golferischen Sinne nicht ganz so weit her ist, dämmert mir spätestens seit dem dritten Abschlag.

Con sieht aus wie ein irischer Whisky-Braumeister mit der Stämmigkeit eines norddeutschen Ebers. Er drischt ungezügelt auf die Bälle ein, dass mir Angst und Bange wird und beweist mir Loch um Loch, dass der Golfgott offensichtlich Ire war und seine Landsleute nicht im Stich lässt. Auf wundersame Weise finden die meisten seiner Superhooks wieder zurück aufs Fairway, Bunkerschläge meistert er mit dem gottgegebenen Selbstvertrauen eines Dünenbewohners, Baumstämme kicken seine Bälle hilfreich in Richtung Grün (während meine vom selben Gewächs geradewegs und auf Nimmerwiedersehen in den afrikanischen Busch befördert werden)… Es ist zum Verrücktwerden!

Con trägt seinen Pencilbag, der im Verhältnis zu seiner Körpermasse eher piefig ausschaut, irisches Liedgut pfeifend federnd über den Platz, während mein Golf-Ich mit mir im Dauerclinch liegt und immer neue Schwunganalysen durchführt.

Doch wir wissen alle, dass eine Golfrunde erst zuende ist, wenn sie zuende ist! An Loch 12 geht Con nämlich die Puste aus. Kommentator Carlo Knauss würde jetzt schwadronieren, “dem fallen hier grad’ mal die Räder ab”, und ich wittere schließlich doch noch Morgenluft. Es geht zwar um nix, aber doch um alles – Sie verstehen das, oder?! Wäre doch gelacht…!

Als sein dritter Ball in Folge ins brusthohe Dornengesträuch verschwindet, schaltet Con um: aus dem tirilierenden Leichtfuß wird ein erfrischend leidensfähiger und unerschütterlich frohsinniger Mitspieler. Statt sich grummelnd und grantelnd in seinem Unglück zu verheddern, grölt er mit bestem irischen Akzent der Kugel hinterher: “To hell with that little white thing!!” Lacht, droppt, spielt weiter.

Sagte ich: zermürbend? Sorry, nein: herrlich!

Möge in dieser Saison ein Con in uns allen stecken…